Geschichte


Gründung der Stiftung

 

Im Jahr 2004 wurde offenkundig, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) wegen einer neuen Messnetzkonzeption die Säkularmessstation Potsdam ab 2007 nur noch als automatische Station weiterbetreiben wollte. Die Säkularstation Potsdam ist jedoch konzipiert worden als eine Station, die über sehr lange Zeiträume unter möglichst unveränderten Mess- und Randbedingungen betrieben wird (Säkulum = Jahrhundert). Die erste Messung an der zum Meteorologischen Observatorium Potsdam gehörenden Säkularstation hat Reinhard Süring am 1. Januar 1893 durchgeführt. Die Potsdamer Klimareihe ist heute ein Juwel unter den langen meteorologischen Reihen, auch im globalen Maßstab.

 

Wegen dieser Ausgangslage haben sich einige aktive deutsche Meteorologen/innen im Jahr 2005 zusammengeschlossen und eine Lösung für den Weiterbetrieb der Station Potsdam erarbeitet. Dies führte u. a. zur Gründung der Reinhard-Süring-Stiftung, die im Dezember 2005 durch das Land Brandenburg anerkannt wurde. Durch eine Vielzahl von Spenden konnte das Gründungskapital von 50.000,- € erbracht werden. Um aus den Erträgen der RSS den Betrieb der Säkularstation Potsdam zu gewährleisten, hätte das Gründungskapital in ca. 2 Jahren aber auf etwa 5 Millionen Euro erhöht werden müssen. Ein schwieriges Unterfangen! Glücklicherweise hat der Deutsche Wetterdienst vor Ablauf des gesicherten Betriebs der Station Potsdam Ende 2006 doch entschieden, diese einmalige Säkularstation weiter zu betreiben.

 

Nachdem ein Hauptzweck der Gründung der RSS hinfällig war, hat das Kuratorium und der Vorstand der RSS gemeinsam im August 2008 beschlossen, die RSS enger an die Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V. (DMG) anzubinden, indem künftig die Vorstandsmitglieder der RSS aus Vorstandsmitgliedern der DMG rekrutiert werden. Der neue Vorstand wurde zunächst für den Zeitraum 5.Dezember 2008 bis 4. Dezember 2011 bestellt.

 

In der Folgezeit hat der Vorstand der RSS beschlossen, die Satzung der RSS zu modifizieren und den Zweck der Stiftung in Richtung auf Ziele der meteorologischen Forschung zu erweitern.

 

Reinhard Süring 

Im April 1945 befindet sich der 2. Weltkrieg in der Endphase mit Kämpfen um Berlin. Die Front erreicht am 23. April die Außenbezirke von Potsdam. Das Personal des Meteorologischen Observatoriums auf dem Potsdamer Telegraphenberg wird am 20. April abgezogen, die letzten verbliebenen Männer für den "Endkampf" zum Militär eingezogen. Die letzte Wetterbeobachtung erfolgte am 20. April um 7 Uhr. Am 24. April vormittags sprengten abziehende deutsche Truppen den Übergang über die Havel, die das Potsdamer Zentrum vom Telegraphenberg trennt. Aber vorher hat offenbar der 79-jährige Professor Reinhard Süring noch den Weg zum Observatorium gefunden und bereits am Nachmittag des 24. April wieder die Wetterbeobachtungen aufgenommen; ab 30. April tat er dies dann bereits zu allen drei Klimaterminen, also noch vor der Kapitulation am 8. Mai 1945.

Wer war dieser Reinhard Süring? 

Am 15. Mai 1866 in Hamburg geboren, studierte er in Göttingen, Marburg und Berlin Mathematik und Naturwissenschaft. Noch während seiner Studienzeit als 21-Jähriger war er Assistent an der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt. Sein Interesse galt bereits damals den höheren Luftschichten. Er promovierte im Jahre 1890 mit einer Arbeit über die vertikale Temperaturabnahme in Gebirgsgegenden in ihrer Abhängigkeit von der Bewölkung. Im gleichen Jahr wurde er Assistent am Preußisch-Meteorologischen Institut in Berlin und mit Gründung des Meteorologisch-Magnetischen Observatoriums in Potsdam im Jahre 1892 auch dort.


Die erste offizielle Wetterbeobachtung der säkularen Potsdamer Beobachtungsreihe am Neujahrstag des Jahres 1893 wurde von R. Süring vorgenommen.


Weltweites Aufsehen fand die Freiballon-Rekordfahrt von R. Süring am 31. Juli 1901, die er zusammen mit Professor Berson zu wissenschaftlichen Zwecken durchführte. Sie erreichten eine Höhe von 10800 m in einer offenen Gondel. Süring beteiligte sich zwischen 1893 und 1921 an zahlreichen hochreichenden wissenschaftlichen Ballonfahrten.


Süring leitete von 1901 an die Gewitterabteilung des Preußisch-Meteorologischen Instituts. 1909 wurde er zum Leiter des Meteorologischen Observatoriums Potsdam berufen, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1932 zu internationalem Ansehen führte. Nachdem er, wie erwähnt, die säkulare Beobachtungsreihe nahezu lückenlos über das Kriegsgeschehen in Potsdam gerettet hatte, war er von April 1945 bis März 1950 nochmals Leiter dieses Hauses. Am 29. Dezember desselben Jahres starb Reinhard Süring, wenige Monate vor Vollendung seines 85. Lebensjahres in Potsdam.

 

Unter seiner Leitung wurde das Observatorium ein Wolkenforschungszentrum von internationalem Ruf. Süring gehörte zahlreichen internationalen Kommissionen an. Er war einer der bedeutendsten deutschen Meteorologen in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine wissenschaftlichen Leistungen liegen in der Erforschung der höheren Atmosphäre sowie in der Wolken- und Strahlungsforschung.

 

Für Generationen von Meteorologiestudenten/innen war der Hann/Süring das Standardlehrbuch.

 

Heutzutage verleiht die Deutsche Meteorologische Gesellschaft als Auszeichnung u. a. die Reinhard-Süring-Plakette, eine Tradition, die in den 60er Jahren eingeführt wurde. Ein Verzeichnis von 154 Veröffentlichungen von Reinhard Süring findet man in der Zeitschrift für Meteorologie Band 5, Heft5/6 (1951), Berlin.